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Ankunft im Herzen der Marquesas

  • SerendipityIV
  • 15. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Marquesas

April 2024

Nach achtzehn Tagen und 3’032 Meilen auf See erreichen wir endlich die Marquesasinsel Hiva Oa. Es ist früher Morgen, die Sonne kämpft sich gerade über den Horizont, doch das Wetter zeigt sich leider nicht von seiner besten Seite. Dennoch wirkt die Insel im ersten Licht des Tages beeindruckend und fast mystisch – eine dunkle, grüne Silhouette, die sich aus dem Ozean erhebt.



Wir ankern in der Bucht von Atuona, eingerahmt von sattgrünen Hügeln. Nach dem Einklarieren gelingt es uns, ein Auto zu mieten – die beste Entscheidung, um die Insel in ihrem eigenen Tempo zu erkunden. Schon nach kurzer Zeit fällt uns etwas ganz Besonderes auf: die Menschen. Überall werden wir mit offenen, freundlichen Gesichtern begrüsst. Alle Frauen tragen fast immer eine Blume im Haar, und es scheint ganz selbstverständlich zu sein, dass man uns tropische Früchte und Gemüse schenken möchte. Diese Herzlichkeit berührt uns tief.



Was wir nach der langen Zeit auf See jedoch am meisten geniessen, ist das Grün. Bäume, tropische Wälder, Pflanzen in allen Formen und Farben – es ist, als würden unsere Sinne davon überflutet. Fast ein wenig berauschend. Wir halten mitten im Wald an, breiten unser Picknick auf der Ladefläche unseres Pickups aus und lassen einfach alles auf uns wirken: die Geräusche der Natur, die feuchte Luft, die satten Farben und der Blick hinaus aufs Meer.



Hiva Oa ist die letzte Ruhestätte zweier berühmter Persönlichkeiten: Paul Gauguin und Jacques Brel. Beide verbrachten hier ihre letzten Lebensjahre, und wir besuchen ihre Gräber, die eingebettet sind in eine üppige, tropische Landschaft. Zwischen blühenden Pflanzen und mit einem weiten Blick über das Meer wirken diese Orte ruhig und würdevoll – vielleicht tatsächlich kein schlechter Ort, um sich hier niederzulassen.



Dem Leben und Werk von Paul Gauguin ist auf der Insel auch ein kleines, aber liebevoll gestaltetes Museum gewidmet. Natürlich lassen wir uns einen Besuch nicht entgehen. Es ist etwas ganz Besonderes, seine Kunst – die wir bereits gut kennen – genau dort zu sehen, wo sie einst entstanden ist. Die Farben, die Motive, das Licht: Plötzlich ergibt alles noch mehr Sinn.



Ebenso berühmt wie ihre dramatischen Landschaften sind die Marquesas für ihre sogenannten Tikis. Diese geheimnisvollen Steinstatuen begegnen einem an vielen Orten der Inseln – manchmal ganz offensichtlich, manchmal jedoch so gut versteckt, dass man sie im dichten Dschungel nur mit wachem Blick entdeckt.



Unsere nächste Etappe führt uns weiter nach Süden, zur Insel Fatu Hiva. Schon die Einfahrt in die Hanavave-Bucht ist ein unvergesslicher Moment. Hohe, steil aufragende, sattgrüne Berge umgeben den Ankerplatz, während sich darüber Regenwolken auftürmen und immer wieder von farbenfrohen Regenbögen durchbrochen werden. Die besondere Stimmung dieses Ortes lässt sich kaum in Worte fassen – sie gehört zu den eindrücklichsten, die wir bisher erlebt haben.



Wir unternehmen mit anderen Seglern eine Inseltour, die uns nicht nur spektakuläre Ausblicke beschert, sondern auch wertvolle Begegnungen mit den Einheimischen ermöglicht. Besonders eindrücklich ist der Besuch bei einer Familie, deren Frauen für ihre kunstvollen Tapas bekannt sind. Diese traditionellen Stoffe werden aus der Rinde eines tropischen Baumes hergestellt und dienten ursprünglich als Wand- und Bodenbelag in den Hütten. Mit viel Geduld und Geschick wird uns der Herstellungsprozess gezeigt, bevor die Tapas mit der dunklen Tinte der Betelnuss und den typischen marquesischen Mustern verziert werden. Zum Abschied erhalten wir Frauen aus der Gruppe liebevoll gebundene Blumenbouquets für die Haare – duftend nach Zimt und anderen aromatischen Rinden.



Auf unserem weiteren Weg nach Norden legen wir einen Zwischenstopp auf der Insel Tahuata ein. In einer abgelegenen, fast unberührten Bucht werfen wir den Anker. Der feine Sandstrand ist nur bei Hochwasser und ruhiger See erreichbar, doch genau das macht diesen Ort so besonders. Gleichzeitig nutzen wir die Gelegenheit, unser Unterwasserschiff zu reinigen – immer mit einem wachsamen Blick auf Wind und Wellen, denn sobald der Schwell in der Bucht steht, heisst es aufbrechen.



In Nuku Hiva erwartet uns schliesslich ein ganz besonderer Empfang. Gemeinsam mit unseren Freunden werden wir von den Einheimischen mit einem Fest willkommen geheissen. Wir erleben hautnah, wie traditionelle Gerichte zubereitet werden, und dürfen ein Festmahl geniessen, bei dem unter anderem Schwein auf traditionelle Weise im Umu (Erdofen) gegart wird. Auch die Kultur kommt nicht zu kurz: Nach einer eindrucksvollen Vorführung werden wir in die traditionellen Tänze der Marquesas eingeführt – und schon bald tanzen wir selbst mit, begleitet von Trommeln.



Ein weiteres Highlight ist ein Ausritt über die Hochebene von Nuku Hiva. Die weite, wilde Landschaft beeindruckt uns tief und gibt uns einen authentischen Einblick in das Leben vor Ort. Immer wieder begegnen wir wilden Pferden, die frei durch die Natur streifen. Ein besonders intensiver Moment ist, als unser Guide – unterstützt von seinen Hunden – tatsächlich ein Wildschwein aufspürt und fängt. Ein Erlebnis, das uns die ursprüngliche Kraft und Unmittelbarkeit dieser Inseln auf eindrückliche Weise spüren lässt.



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